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Stufe für Stufe dem Himmel zu...
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Passau. Schritt für Schritt oder besser Stufe um Stufe pilgern Gläubige seit Jahrhunderten auf ihr – im festen Vertrauen auf die Kraft des Gebetes zur Gottesmutter. Die intensive Nutzung der Wallfahrtsstiege hinauf nach Mariahilf hoch droben über Passau hat ihre Spuren hinterlassen. Vor allem die Wände, aber auch einzelne Kreuzweg-Stationen wiesen niedergeschriebene Anliegen auf, wohl ehrfurchtsvoll formuliert, jedoch oft ohne Achtung vor dem kircheneigenen Bau platziert. Anlass genug, dieses bedeutsame religiöse Kleinod zu restaurieren und neu zu gestalten.
Könnten die abgerundeten massiven Trittstufen aus Hauzenberger Granit doch nur Gedanken lesen oder gar reden. Was für bewegende persönliche Schicksale, welch große Steine am Herzen und wie viel zentnerschwere Last an der Seele sind über sie bereits hinauf geschleppt worden zur Wallfahrtskirche. Es gäbe viel zu erzählen. Wandkritzeleien wie „Hl. Maria, ich flehe Dich an, bitte hilf mir“, einfach und spontan anmutend mit Kugelschreiber verfasst, zeugen von lebendiger, gelebter Wallfahrt. Sie lassen die Hoffnung verzweifelter Stiegen-Pilger erahnen. Aber auch Dankbarkeit spiegelt sich wider – auf Votivtafeln mit dem oft zu lesenden kurzen Satz „Maria hat geholfen.“
Diese Gedanken haben die Planer der Renovierung aufgegriffen. „Die Farben der Wallfahrtskirche finden sich wieder in der Wallfahrtsstiege. Das Ocker der Wände und das marianische Blau der Decke, das Hinaufbeten der Wallfahrtsstiege – Stiagn o‘bet’n – wird in die Gestaltung als Thema mit einbezogen“, erklärt Jochen Jarzombek. Der Diözesanbaumeister verweist auf das neue Farbkonzept: vom Dunkel ins Helle, von unten nach oben, hinauf zur Gottesmutter, hinauf auf „Mariahilf“, vom dunklen Lichterort in das Licht der Wallfahrtskirche. „Erlösendes Licht am Ende eines mühsamen Aufstieges“, so bringt der Leiter des Bau- und Kunstreferats die Aspekte auf den Punkt.
Doch damit nicht genug: Jarzombek macht auf die einem Andachtsraum angemessene, würdige Gestaltung der insgesamt 312 Stufen zählenden Wallfahrtsstiege, einer scala santa, aufmerksam. Dazu gehört das Auffrischen der Kreuzweg-Stationen, das vorsichtige Abnehmen und Wiederaufhängen der vorhandenen Votivbilder. Die Graffitis hingegen werden übertüncht, nicht jedoch ohne vorheriges Festhalten per Foto und ohne Dokumentation zusammen mit anderen für die Nachwelt gesicherten Wandsprüchen im Eingangsbereich der Stiege, damit kein noch so profan erscheinendes Gebetsanliegen verloren geht. Wie etwa die Bitte um Erfolg bei einer Prüfung.
Neue Beleuchtungsakzente an den Treppenpodesten als Bezug zu den Kreuzweg-Stationen runden das einfühlsam überarbeitete Erscheinungsbild ab. Eine neue Lichtführung beherrscht auch die Stiegenkapelle. Im Zuge der Maßnahme sind vor den Fenstern satinierte Glasflügel angebracht worden. Die neue Ausmalung des sakralen Raumes mit erneuertem Bodenbelag lehnt sich an das Gestaltungskonzept der Wallfahrtsstiege an. Die moderne und auch ökologisch zeitgemäße Beleuchtung mit LED-Technik unterstreicht die farblichen Akzente des weitum bekannten und stark frequentierten Heiligtums.
Die Historie der „Stiagn“ reicht auf den Bau der Wallfahrtskirche Mariahilf in den Jahren 1624 bis 1627 zurück. Gleich darauf entstand die überdachte Wallfahrtsstiege, 1628 vollendet. Einst war sie wohl auch als Abkürzung des damals über Beiderwies führenden Weges zur Wallfahrtskirche mit dem Gnadenbild gedacht, einer Kopie des Gemäldes der Muttergottes von Lucas Cranach dem Älteren, ursprünglich für die in der Reformationszeit protestantisch gewordene Dresdener Kreuzkirche geschaffen. Bis heute nähern sich Wallfahrer der lieblichen Madonna nicht ohne das traditionelle „Stiagn o’bet’n“.
 
Foto: bp Mediendienste



Autor: Bernhard Brunner
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