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Offen für die Fragen der Menschen
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Monsignore Matthias Wilhelm: Ein Priesterleben zwischen Büchlberg und Dar-es-Salam 

Büchlberg. Er darf auf 88 erfüllte, intensive Lebensjahre zurückblicken. Mit dem, was er erlebt hat, könnte man Bücher füllen. Und er musste manchen Schicksalsschlag überstehen, sich wieder aufrappeln, ins Leben zurückfinden. Die Rede ist von Monsignore Matthias Wilhelm. Für unsere junge Mitarbeiterin Lisa Schregle ist er ein authentischer Glaubenszeuge, dem sie vieles zu verdanken, von dem sie unter anderem im Bibelkreis viel gelernt hat. „Er schafft es, auch junge Menschen mit seinen Worten in seinen Bann zu ziehen, ich mag einfach seine Ausstrahlung“, sagt sie. Das war für sie auch der Grund, sich einmal intensiver mit dem Leben des Geistlichen zu befassen und ihn für das Bistumsblatt zu porträtieren. 
Geboren in Mitterbrünst in der Nähe von Büchlberg im Landkreis Passau als einziger Sohn eines Maurers und einer Hausfrau, besuchte Matthias Wilhelm ab dem Herbst 1935 die Volksschule in Büchlberg und wechselte 1940 ans Gymnasium Leopoldinum in Passau, wo er 1949 das Abitur erlangte. Dass er Pfarrer werden wollte, wusste Monsignore Wilhelm schon seit seiner Erstkommunion im Jahre 1937. Damals nahmen ihn seine Eltern Matthias und Maria mit zu einer Priesterweihe, die ihn sehr berührte.
Nach dem Abitur studierte er Philosophie und Theologie in Passau. Er musste sich sein Studium selbst finanzieren. So arbeitete er etwa in den Ferien in der Bischöflichen Brauerei Hacklberg. „Ich war immer dort, wo etwas angefallen ist und wo sie Studenten genommen haben“, erzählt er. Geld verdiente er auch als Betreuer in Jugendzeltlagern. Praxis-
erfahrungen macht er in den Sommermonaten in Hannover – in der Diaspora –, wo er bei einem Pfarrer praktizierte. Wilhelm durfte Religionsunterricht geben und Seelsorgegespräche führen. 
„Sowohl bei der Jugendarbeit als auch während der Tätigkeiten in Hannover wurde mir bewusst, dass viele Menschen auf der Suche nach Gott sind“, blickt Monsignore Wilhelm zurück. 
1955, er war damals 26 Jahre alt, war es soweit, der Tag seiner Priesterweihe war gekommen. Es folgte dann bald der Ruf zur Bundeswehr. Auf Weisung von Bischof Simon Konrad Landersdorfer arbeitete der Mitterbrünster an den Standorten Freyung und Bogen als Militärpfarrer. Ein besonderes Erlebnis waren dabei vier Monate im Herbst/Winter 1963, in denen Matthias Wilhelm zur Bundesmarine abkommandiert wurde. Mit dem Schulschiff „Hipper“ ging es von Kiel aus in Richtung Dar-es-Salam im heutigen Tansania. 
Die Hauptaufgabe des Geistlichen war es, den Auszubildenden Lebenskunde-Unterricht zu erteilen und sich mit den Lebensfragen der angehenden Offiziere zu befassen. Dabei habe auch er von den Soldaten etwas Wesentliches gelernt: das Leben einfach auf sich zukommen zu lassen. Die Bundeswehrzeit bezeichnet er heute noch als seine „wertvollste Zeit“. 
Im Zeitraum von 1975 bis 1994 war Matthias Wilhelm als Religionslehrer am Gymnasium in Waldkirchen, sowie an der Mittelschule in Regen tätig. In den Schuldienst kam er auch deshalb, weil er als einziges Kind für die Pflege seiner Eltern zu sorgen hatte. Während der Zeit als Lehrer wohnte er im Elternhaus, war nebenher als Seelsorger tätig. 
Als einen extremen Tiefschlag in seinem Leben bezeichnet der Mitterbrünster den Verlust beider Eltern. Sie starben 1978 kurz hintereinander in einem Zeitraum von fünf Wochen. Auf die Frage nach der Überwindung dieses Schicksalsschlages wird der 88-Jährige nachdenklich: „Das Sterben gehört zum Leben. Leben ist Sterben.“ 1978 war auch das Jahr, in dem Pfarrer Matthias Wilhelm seinen Monsignore-Titel verliehen bekam. 
Seit 1994 ist Monsignore Wilhelm nun in Pension – und bis heute nach wie vor in der Seelsorge aktiv. Dazu leitet er kleinere Veranstaltungen wie zum Beispiel den Bibelkreis in Büchlberg. 
Seine Herzensangelegenheiten sind jedoch die Seelsorge, die Kinder- und Jugendarbeit und das Militär. „Bei der Seelsorge gefällt mir am besten, dass Menschen hier jemanden finden, der Zeit für sie hat und bei dem sie sich bezüglich ihrer Lebensfragen aussprechen können.“ Ganz wichtig ist für ihn, dass Seelsorger am Puls der Zeit bleiben:  „Menschen sehen mehr fern und lesen mehr Zeitung, deshalb haben sie oft andere Fragen als früher.“  
Entspannung findet der Geistliche in der Natur. Im Winter durch Skifahren, im Sommer mit Radfahren und Bergwandern im Bayerischen Wald und im Deutschen Gebirge. „Die Natur gibt mir große Zufriedenheit, Gelassenheit und tieferen Glauben“, beschreibt Matthias Wilhelm seine Gefühle. 
Tipps für Menschen, die über ein Theologiestudium nachdenken, hat der 88-Jährige auch. „Man sollte ein natürlicher Mensch sein und offen für die von der Zeit geprägten Fragen, die von anderen Menschen kommen.“
 
Foto: Schregle


Autor: Lisa Schregle
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