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Ein Bistum macht sich auf den Weg
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Wie kann man den Wandel positiv gestalten? Antworten von Berater Prof. Helmut Roth

Der Kirche steht ein struktureller Wandel bevor, den es zu gestalten gilt. Dieser formale Wandel muss sich verbinden mit einem geistigen, einer „neuen geistlichen Kultur“, wenn er gelingen soll – davon ist Bischof Dr. Stefan Oster SDB überzeugt. Dieser missionarische Aufbruch hat in der Diözese Passau Fahrt aufgenommen. Auf dem Weg begleitet werden die Verantwortlichen im Bistum von Prof. Helmut Roth, dem Chef des Beratungsunternehmens „xpand“ aus Salzburg. Im Interview mit Bistumsblatt-Chefredakteur Wolfgang Krinninger erklärt er, wo er die Stärken in unserem Bistum sieht, was die nächsten Schritte sind und was für ihn selber Glaube und Kirche bedeuten. 

Das Bistum Passau hat sich mit Ihnen als externen Berater an der Seite auf den Weg gemacht, den Wandel zu gestalten. Wie kam der Kontakt zustande?
Roth: Wie das im Leben so spielt, kennen Menschen andere Menschen, die wiederum andere Menschen kennen –  so kam der Kontakt konkret durch Ingrid Wagner zustande. Die Referentin für Neuevangelisierung kennt durch ihre vorherige berufliche Tätigkeit xpand schon seit längerer Zeit und hat deshalb mit verschiedenen Gruppen Kontakt aufgenommen, die sich von xpand bereits begleiten haben lassen. 
 
Sie haben inzwischen das Bistum schon ein wenig kennengelernt. Können Sie uns Ihren ersten Eindruck beschreiben? Was haben Sie als Außenstehender vorgefunden?
Roth: Als Salzburger ist man ja nicht so weit weg von Bayern beheimatet, immerhin reichte unser Bistum bis 1816 weit in das bayerische Kernland hinein. Ich selbst wohne gerade einmal 700 Meter vom Grenzübergang entfernt, so sind mir die Mentalität und der Humor, die Ansichten und Auffassungen des Bayerischen sehr vertraut. 
Das Bistum selbst ist aus meiner Warte gut aufgestellt und ich habe bis jetzt viele tiefgläubige Menschen kennengelernt, deren Herzensqualität und großes Engagement für die kirchliche Arbeit mich beeindruckt und berührt haben. Sowohl im priesterlichen Bereich als auch bei den Laiengremien finde ich sehr prozessorientierte Menschen vor, die mit hoher Ernsthaftigkeit und großem Mut die brennenden Zukunftsfragen angehen. Dieses enorme Verständnis ist nicht selbstverständlich und bietet die Basis für einen gelingenden Weg. 
 
Einer der ersten Schritte im Prozess ist nach Ihrer Aussage, die Betroffenen durch Kommunikation zu Beteiligten zu machen. Wie weit sind Sie damit?
Roth: Auch wenn wir erst seit wenigen Monaten im Bistum aktiv sind, konnten wir schon viele Gelegenheiten nutzen, um gemeinsam ins Gespräch zu kommen: mit Einzelnen und Gruppen, mit verschiedensten Verantwortlichen und Betroffenen, mit Priestern und Laien, mit Verbänden und Organisationen. Und ich bin wirklich dankbar dafür, dass uns die Gesprächspartnerinnen und Gesprächspartner so offen und geradlinig von ihren Eindrücken erzählen. 
Was unterscheidet ein Bistum von einer großen Firma oder einer Non-Profit-Organisation?
Roth: Ich würde sagen, es gibt Aspekte, die sich vergleichen lassen, aber auch Bereiche, die klar unterschiedlich sind. Vergleichbar ist beispielsweise, dass gerade Veränderungsprozesse in allen Organisationen einer breiten Beteiligung bedürfen, um überhaupt erfolgreich sein zu können. Dies gilt auch für das Bistum Passau: Das Ziel für den Prozess hier wäre, dass jede und jeder Einzelne, dort, wo sie oder er stehen, sowohl den Weg der Veränderung als auch die Gestaltung des Neuen mit den eigenen, individuellen Gaben mittragen oder mit-entwickeln.  Und hier sind die Räume zur Ausformung in einem Bistum, durch die Vielfältigkeit der Aufgaben, wesentlich größer und umfangreicher, als in einem rein wirtschaftlich orientierten Unternehmen. 
Die Werte und das innere Anliegen, das hier Haupt- und Ehrenamtliche in ihrem Engagement verbindet, bergen großes Potential in sich. Gleichzeitig kann dieser Erneuerungsprozess allerdings nicht – wie in einer Firma – von oben verordnet werden, sondern muss und darf von den Einzelnen aus einer inneren Motivation heraus beschritten werden.
 
Ein zentrales Anliegen von Bischof Stefan Oster ist es, dass die Menschen Jesus noch besser und intensiver kennenlernen. Ist das in einer zunehmend säkularen Gesellschaft überhaupt möglich und notwendig?
Roth: Ich persönlich glaube, dass sich das Grundanliegen der Kirche im Lauf der Jahrhunderte nicht gewandelt hat: Es geht darum, Menschen für die Botschaft Jesu Christi persönlich zu begeistern. Daher kommt diesem Aspekt gerade in einer zunehmend säkularisierten Welt eine immer größer werdende Bedeutung zu, da sich die großen Fragen des Lebens nicht geändert haben – noch jemals ändern werden. Diese Fragen werden an jeden Menschen im Lauf seines Lebens herangetragen. Und wenn man die Botschaft Jesu betrachtet, muss man feststellen, dass sie damals wie heute hochaktuell und brisant war und ist. Eine Botschaft, die persönlich herausfordert und bewegt – also etwas in Bewegung bringt. 
 
Nur im Miteinander wird sich Wandel realisieren lassen. Wie kann dieses Miteinander gefördert und verbessert werden?
Roth: Auf der Basis eines gemeinsamen Grundanliegens geht es darum, diesen Wandel positiv zu gestalten. Das eine ist die Frage nach dem Ziel: Also wohin gehen wir? Die andere Frage ist, wie sich das Miteinander auf diesem Weg gestaltet. Und hier ist aus meiner Sicht eine offene und ehrliche Kommunikation von großer Bedeutung: Den Mut zu haben, die Anliegen, Hoffnungen, Befürchtungen und auch Freuden offen zum Ausdruck zu bringen. Das heißt auch, dass man durchaus das Risiko eingeht, sich verletzlich zu machen. Aus diesem Grund ist im Umgang miteinander und mit der großen Unterschiedlichkeit, die uns in diesem Miteinander begegnet, eine Kultur von Wertschätzung, Achtung und Respekt von entscheidender Bedeutung. Also dem Gegenüber das Vertrauen entgegenzubringen, dass die oder der Andere  – wenn auch vielleicht auf unterschiedlichem Wege – ebenfalls Gutes will und gemeinsam Schulter an Schulter für das gleiche Anliegen unterwegs ist. 
 
Was bedeuten Glaube und Kirche für Sie persönlich?
Roth: Ich hatte das Vorrecht, in einer wirklich lebendigen Pfarrei aufwachsen zu dürfen. So gewann für mich bereits sehr früh der Glaube an echter Bedeutung. Im Laufe der Jahre durfte ich dann ganz unterschiedliche Strömungen innerhalb der Kirche kennenlernen, die, jede für sich genommen, eine enorme Bereicherung für meine Lebensreise waren. Der Glaube ist also ein zentraler Punkt meines Lebens und auch meiner Tätigkeit bei xpand. Kirche bedeutet für mich letztlich vor allem Beheimatung, Weg- und Glaubensgemeinschaft.  
 
Werden wir in fünf Jahren als Kirche von Passau in einer stärkeren Gemeinschaft und mit größerer Freude unseren Glauben leben? Und wenn ja, warum?
Roth: Diese Frage kann wahrscheinlich niemand beantworten. Denn der Glaube ist zutiefst persönlich. Ob und wie jeder Gläubige seinen individuellen Weg geht, kann letztlich niemand im Voraus prognostizieren. Was man tun kann, ist, miteinander Bedingungen zu schaffen, die Wachstum und Veränderung fördern und ermöglichen. Es bleibt zu hoffen – und dafür möchte ich mich mit meinem Team auch einsetzen –, dass so ein Rahmen geschaffen wird, wo Glaube neu erfahrbar werden kann.
 
Foto: Wolfgang Krinninger


Autor: Wolfgang Krinninger
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