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Mitgefühl zeigen!
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Kommentar. Mutig stürzt er sich ins Wasser, kämpft sich durch die Wellen, packt das Kleine, und dann, endlich, gelangen sie an den Strand. Rettung in letzter Minute. Eine Szene ganz in der Art der in den 90ern so beliebten Serie „Baywatch – die Rettungsschwimmer“; nur David Hasselhoff fehlt, und auch die berühmte rote Badehose. Denn: Der Held ist hier ein anderer, Hund Storm, ein Golden Retriever. Auch das ‚Opfer‘ ist ein Vierbeiner: ein drei Monate altes Rehkitz. Das Tier hatte sich verirrt und war offenbar bei Port Jefferson Harbor, New York, ins Meer gefallen. Dort wäre es elend umgekommen, hätte Storm das nicht zu verhindern gewusst.
Schon die Rettungsaktion an sich ist bemerkenswert, zumal Storms Herrchen das Ganze erst mitbekommen hat, als der Hund das Kitz schon fast an Land geschleppt hatte. Das Tier hat sich also ganz allein entschieden, ein Leben zu retten. Wirklich anrührend ist aber das, was danach folgt: Zunächst scheint es, als wollte Storm mit dem völlig entkräfteten Reh spielen, ein wenig ungestüm rennt er ihm nach. „Lass es in Ruhe“, hört man Herrchen Mark Freeley im Hintergrund rufen. Doch daran denkt der Golden Retriever gar nicht. Er will das flüchtende Wildtier nicht jagen, sondern scheint gespürt zu haben, dass es am Ende seiner Kräfte ist. Als es direkt neben ihm zusammenbricht, ist er zur Stelle: Er stupst es an, versucht, es auf die Beine zu holen. Nichts kann ihn ablenken, er tut, was er kann, möchte das Tier unbedingt retten. 
Hier endet das kurze Video. Mittlerweile wird es auf der ganzen Welt verbreitet, Menschen aus Nah und Fern feiern Storm als Helden. Und tatsächlich: Fast scheint es so, als könnten gerade wir Menschen, die wir uns so gern rühmen, über den größten Gefühlsreichtum von allen Geschöpfen zu verfügen, in Sachen Mitgefühl noch einiges dazulernen: von einem Hund. Denn nicht nur, dass Storm sich selbst ohne zu zögern in Gefahr begeben hat; er hat es für ein Wesen getan, das er nicht kannte, und das ihm selbst in keiner Weise ähnlich war. Ein Hund als Retter eines Rehs – gerade die Verschiedenheit der Tiere macht die Geschichte so besonders beeindruckend. 
Und genau da ist der Knackpunkt. Denn auch viele von uns zeigen natürlich Mitgefühl und Hilfsbereitschaft – bevorzugt aber für die, die wir kennen und die uns ähnlich sind, Familie, Freunde, eventuell auch Menschen aus dem selben sozialen oder kulturellen Umfeld. Auch das, was wir „niedlich“ finden, erobert sich immer wieder Zugang zu unseren Herzen: Babys mit Kulleraugen oder kuschelweiche Katzenkinder. 
Anders sieht es mit jenen aus, die diese Kriterien nicht erfüllen – ich denke da an jene, von denen Papst Franziskus so oft spricht, an die, „die am Rand stehen“: Obdachlose, Drogensüchtige, Alte, oder – wenn wir noch einmal in den tierischen Bereich gehen – die vielen Nutztiere, die eben nicht unserem „Kindchenschema“ entsprechen und die von manch einem deswegen nicht als Mitgeschöpfe, sondern als Fleischlieferanten wahrgenommen werden. 
Storm hat – und zwar ganz im Sinne zahlreicher biblischer Geschichten, in denen auch Jesus hilft, ohne Ansehen der Person und ohne einen Gedanken an die Frage zu verschwenden, ob der Mensch vor ihm für die Gesellschaft nützlich ist – gezeigt, dass es anders geht. Und deshalb ist er ein echter Held. 
Übrigens: Das Reh hat überlebt und wird nun im selben Tierheim gepflegt, aus dem Storm adoptiert wurde.
 


Autor: Barbara Osdarty
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