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An die Grenzen der Erde...
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Mit dem Neureichenauer Japan-Missionar Max Ascher im Bistumsblatt-Gespräch

Neureichenau. Max Ascher hat Wort gehalten. Was er vor fast einem halben Jahrhundert auf sein Primizbild drucken ließ, gilt noch heute: „Und ihr werdet meine Zeugen sein in Jerusalem und in ganz Judäa und Samarien und bis an die Grenzen der Erde.“ (Apostelgeschichte 1,8) Mit seinen 80 Jahren betreut der Redemptoristenpater „im Unruhestand“ noch die Pfarrei Okuchi in der japanischen Diözese Kagoshima, die zwischen dem Pazifischen Ozean und dem Chinesischen Meer liegt.  Das ist genau da, wo im Jahr 1549 jemand landete, dessen Spuren auch Max Ascher als Missionar ging: der heilige Franz Xaver.
Der spanische Jesuitenpater war der erste christliche Missionar, der japanischen Boden betrat. Franz Xaver hatte in Indien missioniert. Er hatte China im Blick. Aber Japan? Noch nicht einmal Marco Polo war so weit gekommen. In der Folgezeit bekamen die Herrscher Angst vor der neuen Religion. Grausam war deshalb die Christenverfolgung. Auf den Kopf eines Priesters wurden 500 Silberstücke ausgesetzt. Das alles ist lange vorbei. Katholiken sind in Japan zwar ein kleines Häufchen, aber: Während jetzt – vor allem in muslimischen Ländern – der Christenverfolgung mehr Menschen zum Opfer fallen als im Alten Rom, lobt Max Ascher die in der Regel religiöse Toleranz der Japaner. Dennoch gebe es auch traurige Fälle. Dann spricht er von „Heiligen des Alltags“. Der Missionar: Das sind Frauen, die, obwohl der Mann die Religion der Partnerin vollständig ignoriert, 60 Ehejahre und mehr treu zum katholischen Glauben stehen.
Wer sich mit dem Seelsorger unterhält, käme nie im Leben auf die Idee, dass dieser Mann seit 54 Jahren in Japan lebt, die Sprache (natürlich) beherrscht, auf Japanisch träumt, aber laut eigener Einschätzung „höchstens 1500 Schriftzeichen – von zigtausenden – kennt“. Er spricht immer noch den schönen, reinen Dialekt, der ihm am Fuße des Dreisessel in die Wiege gelegt worden ist – so, als ob man eine Zeitkapsel öffnen würde. Einfach bodenständig und gelegentlich hintersinnig, etwa wenn er im Blick auf die überschaubare christliche Gemeinde in Japan meint: „Wir können die Leute nicht einfangen und mit dem Feuerwehrschlauch taufen!“ 
Der Missionar plädiert dafür, „die Zahlengläubigkeit abzulegen“. Sein Credo: Qualität vor Quantität. Max Ascher ist ein Mann des Zweiten Vatikanischen Konzils. Dadurch hat das Missionsverständnis der katholischen Kirche eine kopernikanische Wende vollzogen: von der Bezogenheit auf sich selber zur Zuwendung zur Welt. Mission von heute zielt deshalb nicht nur auf das „Seelenheil“, sondern den ganzen Menschen, seine Würde, seine Rechte, seine Umwelt, seine bedrohte Zukunft.
Als „Weltverbesserer“ sieht sich Max Ascher trotzdem nicht. Das liegt im fern. „Man kann mit dem Glauben nicht hausieren gehen“, so seine Überzeugung. Und zitiert Benedikt XVI.: Wege gebe es so viele zu Gott, wie Menschen. Er ist ein Priester mit Herz und Verstand. Beides spüren etwa Frauen in seiner Pfarrei, die als junge Mädchen zwangsverheiratet wurden, sich später scheiden ließen, nochmal heirateten und jetzt zur Kommunion gehen. Da spricht wieder der priesterliche Mensch und menschliche Priester aus Max Ascher: „Für mich ist so eine Ehe von Haus aus ungültig...“
In Japan, wo die größten Ozeantanker und die kleinsten Computerchips gebaut werden, hat sich Max Ascher in den 54 Jahren eingelebt. Nur an etwas konnte er sich nicht gewöhnen: hohe Temperaturen und Luftfeuchtigkeit. Doch auch diesem Klima kann der Missionar eine positive Seite abgewinnen: „Ich hoffe, dass mir die Hitze einmal für die Wartezeit im Fegefeuer angerechnet wird!“ 
 
Foto: Werner Friedenberger


Autor: Werner Friedenberger
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