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„Wir sind so stolz auf unsere kleine Kämpferin“
„Wir sind so stolz auf unsere kleine Kämpferin“
„Wir sind so stolz auf unsere kleine Kämpferin“
Leonie wurde nur fünf Tage alt – Ihre Eltern sind dankbar für jede gemeinsame Minute
 
„Die Schwangerschaft war eigentlich super! Die Werte waren immer spitze, keinerlei Auffälligkeiten und ich bin sogar schon über dem Termin gewesen“, erinnert sich Lisa Leitner. Heute, knapp ein halbes Jahr nach dem Versterben von Leonie, können die Eltern über den viel zu frühen Tod ihrer kleinen Tochter besser sprechen – die Frage nach dem ‚Warum?‘ wird jedoch immer bleiben.
 
Es war der 27. März dieses Jahres, als es für die werdende Mama um acht Uhr morgens ins Spital nach Schärding ging – den Tag haben Lisa Leitner und ihr Lebensgefährte Josef Einböck noch präzise in Erinnerung: „Dem Kind ist es gut gegangen, mir ist es gut gegangen. Wir waren sozusagen in Warteposition und unter ständiger Beobachtung. Irgendwie hatte ich im Gefühl, dass Leonie auf jeden Fall noch raus will“, erzählt die 24-Jährige. 
„Gegen Abend ist es mir abrupt schlechter gegangen und nachdem mir gegen 20 Uhr die Fruchtblase geplatzt ist, ging alles ganz schnell“, so Lisa Leitner. In weniger als einer halben Stunde war Leonie geboren, die Ärzte haben sie sofort abgenabelt – „ich habe erkannt, dass was nicht passt. Wir haben immer auf einen Schrei gewartet, aber sie hat keinen Mucks von sich gegeben. So viele Ärzte und Schwestern, grelles Licht und unsere kleine Leonie mittendrin“, erzählt Papa Josef Einböck von den ersten Minuten nach der Geburt. „Die Situation war kompliziert: Eine schnelle Blutanalyse verdeutlichte, dass Leonie unter einem ausgeprägten Sauerstoffmangel litt. Dennoch konnten wir Herzfrequenz und Atmung soweit stabilisieren, um ein wenig Zeit zu gewinnen und das kleine Mädchen in unser Versorgungszentrum nach Passau zu bringen und hier dann alles Mögliche in die Wege zu leiten“, schildert Dr. Gergely Sárközy von der Kinderklinik Dritter Orden Passau, der als Neugeborenen-Notarzt im Rahmen der Reanimation durch das Ärzteteam in Schärding umgehend in das Krankenhaus nach Österreich gerufen worden war. 
„Nach einer gefühlten Ewigkeit der Unwissenheit durften mein Lebenspartner und ich Leonie dann endlich sehen, bevor sie schließlich nach Passau gebracht wurde – das war sehr wichtig für uns“, betonten die Eltern. Ob in Österreich oder dann in Niederbayern – die Eltern sind auf beiden Seiten für die große Unterstützung und umfassende Betreuung dankbar. „In Passau habe ich als Papa sofort ein Zimmer bekommen und konnte mich kurz ausruhen – man hat alles Mögliche für uns getan“, erinnert sich Josef Einböck. Sobald es die Verfassung der jungen Mutter zugelassen hatte, konnte auch Lisa Leitner zu Tochter und Partner in die Kinderklinik Passau wechseln. „Bei meinem Eintreffen hat Leonie das erste und einzige Mal die Augen geöffnet – das hat uns so glücklich gemacht“, schildert die Mama mit Tränen in den Augen. 
Leonie wurde für rund drei Tage in eine sogenannte künstliche Hypothermie, einen Kältezustand, versetzt. „Der Stoffwechsel wird heruntergefahren, sodass sich das kleine Kind komplett auf seine Erholung konzentrieren kann – ein enormes Geduldspiel für die ganze Familie, das alle drei wirklich toll gemeistert haben“, betont Dr. Gergely Sárközy. Immer wieder erfolgten Laborkontrollen, Hirnstrommessungen und Ultraschalluntersuchungen – „leider waren keine Verbesserungen zu erkennen.“ Der Verdacht auf schwerste Hirnschädigung bei Leonie erhärtete sich und wurde dann im Rahmen einer Kernspintomographie bestätigt: „Leonie litt unter einer mit dem Leben nicht vereinbaren extremen Hirnschädigung und in zahlreichen ausführlichen Gesprächen mit dem Ärzteteam haben wir uns dazu entschlossen, das Leiden von Leonie nicht unnötig zu verlängern und die Therapie auf das Notwendigste zu beschränken“, erklären die Eltern unter großem Schmerz.  
Gemeinsam mit dem Haus hat die Familie noch eine Taufe im Patientenzimmer in der Kinderklinik organisiert. „Leonie war sehr hübsch zurecht gemacht. Das war eine wunderschöne Feier“, erinnert sich auch der betreuende Arzt. Anschließend wurde die künstliche Unterstützung abgestellt und Leonie ist friedlich, ohne Schmerzen, in den Armen ihrer Eltern eingeschlafen. „Warum genau sie? Warum heute? Das ist auch für uns Ärzte schwer zu verstehen. Jedes Kind, das wir verlieren, hinterlässt eine Spur und hat einen festen Platz in unserem Herzen“, so Sárközy. 
Knapp sechs Monate nach dem Tod von Leonie besuchen die Eltern erneut die Kinderklinik – diesmal um eine Spende an die Einrichtung zu übergeben: „Wir haben im Rahmen der Beerdigung unserer kleinen Tochter auf Blumen und Kränze verzichtet und zu Spenden aufgerufen – es ist ein toller Betrag zusammengekommen: Über 500 Euro! Das hätten wir selbst nicht vermutet“, freuen sich die Eltern über die große Anteilnahme. „Leonie ist so gut geholfen worden und es wird wieder solche Fälle geben und so können wir auch für andere Familien etwas tun“, so Papa Josef Einböck. 
Die fünf gemeinsamen Tage der kleinen Familie waren für alle eine wertvolle und intensive Zeit. „Sicher, man blickt in die Zukunft“, sagt Lisa Leitner heute – „der eine früher, der andere später.“ Großen Halt findet das Paar im engsten Kreise der Familie – „das sind unsere besten Psychologen“, lächeln die beiden. Ihrer Trauer um Leonie haben die Eltern auch in einem Tagebuch über das kurze Leben ihres Kindes Ausdruck gegeben – hier steht geschrieben: „Wir sind so traurig, dass du uns verlassen hast, aber so stolz, dass du so gekämpft hast. Wir lieben dich!“
 
Foto: Leitner
 


Autor: Stefanie Starke
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