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Mehr Anstand
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Kommentar. Die Schlacht ist geschlagen, die Stimmen sind gezählt, das Ergebnis steht fest. Ein angeblich fader Wahlkampf ist vorbei. Die beiden großen Volksparteien müssen herbe Verluste hinnehmen, eine rechte Protestpartei, in der einzelne Kandidaten immer wieder mit nationalistischen und rassistischen Äußerungen aufgefallen sind, wird drittstärkste Kraft im Bundestag. Die Regierungsbildung wird schwierig. Es bleibt spannend in den kommenden Wochen. Auch das ist Demokratie. Was die Langeweile angeht: Ist es wirklich so schlimm, wenn eine Wahl ohne große Schlammschlachten abgeht? Wünscht sich jemand tatsächlich amerikanische Verhältnisse, wo eine Wahl offensichtlich nur mit Respektlosigkeit und Niedertracht zu gewinnen ist? Oder rührt die „Langeweile“ vielleicht daher, weil wir das Glück haben, in einem Land zu leben, in dem wesentliche Dinge ganz gut geregelt sind und in dem es sich folglich auch gut leben lässt? Rund 75 Prozent der Wahlberechtigten in Deutschland haben vom „Königsrecht der Demokratie“, wie der scheidende Bundestagspräsident Norbert Lammert Wahlen bezeichnete, Gebrauch gemacht. Immerhin eine Steigerung im Vergleich zum letzten Mal. All diejenigen, die nicht gewählt haben, haben jeden Anspruch verwirkt, sich zu beschweren.  Die Kreuze der rund 46 Millionen Wählerinnen und Wähler sollen im Parlament eine Form der Entfaltung finden. Das wird nicht einfach. Und brav und freundlich gehen die beteiligten Akteure dabei sicher auch nicht immer miteinander um. Es wird um Posten geschachert, es wird gemauschelt, es wird taktiert im Spiel der Macht. Auch das gehört zum politischen Ringkampf um die Zukunft des Landes. Auf die künftige Bundesregierung warten enorme Herausforderungen auf allen Politikfeldern. Und dennoch hätte ich einen Wunsch, der wenig mit dem politischen Alltagsgeschäft zu tun hat: Ich baue darauf, dass die neue Regierung jede Initiative unterstützt, die dazu beiträgt, dass wieder mehr Anstand in unsere Gesellschaft zurückkehrt. Denn wir erleben, gefördert durch die Anonymität der sozialen Netzwerke, einen Rückfall in steinzeitliche Verhaltensformen. Lügen, Hetze, Egoismus, Rücksichtslosigkeit und Niedertracht reißen immer größere Löcher in den dünnen Vorhang unserer Zivilisation. Dahinter klafft ein Abgrund, auf dessen kalten Boden Gemeinsinn und Solidarität zerschellen. Wo sonst kämen all die Gaffer her, die nichts dabei finden, Unfallopfer zu filmen? Wie sonst wäre es möglich, dass gleich mehrere Bankkunden über einen Sterbenden drüber steigen, ohne einen Finger zu rühren? Wie sonst könnten Politiker plärrend über Minderheiten herfallen und dafür auch noch Applaus bekommen. Bei all den wichtigen Problemen, um die sich die neue Regierung kümmern muss – von der Umwelt über die Wirtschaft bis zur sozialen Gerechtigkeit – scheint mir das die zentrale Frage: Wie gehen wir miteinander um, damit wir eine Zukunft haben? Unser christliches Fundament enthält dazu viele Leitsätze und Ideen, die eine Wiederentdeckung lohnen würden.
 


Autor: Wolfgang Krinninger
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