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Nur fürs Schaufenster?
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Kommentar. Allerheiligen steht vor der Tür. Wie erlebt ein 13-jähriger Junge, der aus Afghanistan geflüchtet ist, dieses Fest in Bayern? Durch die Augen des jugendlichen Hamid, der seit einem Jahr in Deutschland ist, sieht das so aus: „Wir haben eine Woche keine Schule. Die Christen in Bayern feiern heute Allerheiligen. Da gehen sie auf den ,qabrestan‘, den Friedhof, besuchen dort ihre Toten und beten für sie. Ich habe beobachtet, dass der ,mullah‘, der Pfarrer, mit Wasser und einer rauchenden, silbernen Teekanne, die an langen Ketten hängt, auf dem Friedhof herumgegangen ist. Am Abend habe ich dort viele rote Lichter gesehen, das war schön und friedlich. Ja, bei den Toten ist es ,aram‘, ruhig. Sie machen keinen Krieg mehr und streiten nicht. Warum machen die Lebendigen das immer so? Ich verstehe das nicht.“
Diese Gedanken sind dem jungen Hamid aus Afghanistan anlässlich des Allerheiligen-Festes 2016 durch den Kopf gegangen. Entnommen sind sie dem Buch „Hamids Tagebuch“ von Peter Mühlbauer, das im morgenroth-Verlag erschienen ist. In diesen Aufzeichnungen kommt sehr gut zum Ausdruck, wie der 13-Jährige zunächst eintaucht in diese für ihn völlig andere Welt und wie er sich zurechtfindet mit der fremden Kultur, fremden religiösen Feiertagen. Wie er in die neue Heimat „hineinwächst“ – ohne die eigenen Wurzeln, die eigene Identität zu verlieren, indem er zum Beispiel das Fest des Fastenbrechens feiert, als der Ramadan vorbei ist.
Wenn es um Feiertage geht, kocht Volkes Seele gelegentlich über (siehe auch Seite 4). So sorgte Thomas de Maizière mit wenigen Sätzen für eine kontroverse Debatte. Die Diskussion um einen muslimischen Feiertag nahm an Fahrt auf. Nun versucht der CDU-Mann, die Sache wieder einzufangen. Der Bundesinnenminister fühlt sich in der öffentlichen Debatte über einen möglichen muslimischen Feiertag falsch verstanden. „Einen Vorschlag von mir zur Einführung eines muslimischen Feiertages gibt es nicht. Ich werde auch keinen solchen Vorschlag machen“, heißt es in einer jüngst veröffentlichten Stellungnahme de Maizières.
Ob man in einem muslimischen Feiertag für hierzulande einen Sinn oder einen Unsinn sieht, kann jeder für sich selbst bewerten. Ärgerlich aber ist, dass zum Thema Feiertag wieder einmal Unausgegorenes ins Schaufenster gestellt wurde – wie so oft! 
Wir haben noch die Pressemeldungen im Kopf, nach der die SPD-Spitze und Bundeskanzler Gerhard Schröder nach massiver öffentlicher Kritik ihren Plan aufgeben mussten, den Tag der Deutschen Einheit künftig nicht mehr arbeitsfrei zu stellen, um so die Konjunktur zu beleben. Und die Grünen hatten damals als Alternative die Streichung des arbeitsfreien Pfingstmontags ins Gespräch gebracht.
Nun, jene Politiker, die das seinerzeit forderten, sitzen nicht mehr auf der Regierungsbank. Und den Pfingstmontag und den Tag der Deutschen Einheit, die die oben genannten Parteien abschaffen wollten, um Haushaltslöcher zu stopfen, haben wir – gottlob – noch. Unsere Feiertage tun gut. Sie geben auch Gelegenheit, einmal zur Ruhe zu kommen und Dinge, bevor man sie ausspricht, von hinter her zu bedenken. So gesehen wären Feiertage auch für den einen oder anderen Politiker heilsam, bevor er den Lautsprecher einschaltet.
 


Autor: Uschi Friedenberger
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