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Auf dem Weg nach Hause
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Auf dem Weg nach Hause
Gedanken zu Allerheiligen: Warum der Mensch hier keine letzte Bleibe hat
 
Der Mensch ist immer auf dem Weg. Er ist letztlich auf dem Weg zu Gott. Und Gott kann man hier auf Erden nie erreichen. Daher ist das Leben ein beständiger Weg, eine beständige Pilgerschaft...“ So beschreibt Benediktinerpater Anselm Grün den Lebensweg des Menschen. Jetzt – rund um die Zeit von Allerheiligen und Allerseelen – denken viele Menschen über Tod und Sterben, über die „letzten Dinge“ nach. Die folgenden Gedanken von Anselm Grün sind seinem Buch „Die Weisheit des Pilgerns“ entnommen:
 
In allen Religionen und Kulturen gibt es das Phänomen des Pilgerns. Indem man sich äußerlich auf einen Pilgerweg machte, drückte man aus, dass der Mensch von seinem Wesen her Pilger ist. Er lebt und wandert auf dieser Erde. 
Aber dieses Leben ist nicht endgültig, sondern nur der Übergang zu einem anderen Leben. Der Pilger weiß, dass er sich hier auf der Erde nicht für immer einrichten kann. Er ist auf dem Weg, solange er lebt. Er ist als Mensch ein Pilger. Doch oft genug scheint er sich auf dieser Erde häuslich einzurichten. 
Der Mensch ist von seinem Wesen her ein Pilger, einer, der auf dem Weg ist. Er hat hier keine letzte Bleibe. Der Tod stellt jedes Sich-Einrichten hier auf der Erde in Frage. Der Tod zeigt dem Menschen, dass er in der Welt im Grunde ein Fremdling ist, einer, der sich auf den Weg nach der ewigen Heimat macht. Doch der Pilger drückt nicht nur seine Sehnsucht nach der ewigen Heimat aus. Er möchte hier schon ankommen. Er macht sich auf den Weg, um am Ziel seiner Pilgerschaft anzukommen, an den Wallfahrtsorten, die seit Jahrhunderten aufgeladen sind mit Energie, mit Hoffnung, mit Zuversicht, mit dem Vertrauen, dass dort Gott einem näher ist als zu Hause, dass er dort Gott begegnen kann, der ihm das Geheimnis seines Weges erhellt.
 Doch auch am Ziel seiner Pilgerfahrt kann sich der Pilger nicht einrichten. Er kommt dort an, um bei sich anzukommen. Aber er kehrt auch wieder zurück an den Ort, von dem aus er aufgebrochen ist. Er trägt jedoch die Hoffnung in sich, dass er anders daheim ankommt, als ein verwandelter Mensch, als einer, der weise geworden ist, der in den Grund der Welt geschaut hat. 
Im Wandern hat der Pilger erfahren, dass er auf seinem Wege immer weiter gehen muss, dass er nicht stehen bleiben kann, ohne mit sich selbst uneins zu werden. Wenn er sich treu bleiben will, so muss der Pilger gehen. Wenn er Mensch werden will, muss er wandernd sich wandeln, um im Tod als der letzten Wandlung vom Leben ganz durchdrungen und verwandelt zu werden. Dann hat er seine Bestimmung erfüllt, dann ist er angekommen, daheim. 
Der Mensch ist nicht bei sich zu Hause, sondern er ist auf dem Weg nach Hause. Doch solange er auf dem Weg ist, fühlt er sich unbehaust. Er wird nur dann eine endgültige Heimat finden, in der er sich niederlassen kann, wenn er aus sich selbst auszieht und sich auf den Weg zu Gott macht, der ihn anzieht und solange auf den Weg schickt, bis er sich nicht mehr bei Vorläufigem aufhält, sondern bei Gott selbst ankommt und bei ihm für ewig daheim ist.
So wird dem Pilger mehr als dem Daheimgebliebenen das Geheimnis seiner menschlichen Existenz klar, dass er letztlich immer auf dem Weg ist, auf dem Weg nach Hause: „Wohin denn gehen wir – immer nach Hause.“
 
Foto: Werner Friedenberger


Autor: Uschi Friedenberger
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