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„Ökumene braucht Zeit“
„Ökumene braucht Zeit“
„Ökumene braucht Zeit“

Vollversammlung von Dekanatssynode und Diözesanrat bündelt Hoffnungen auf Einigung

Ortenburg. Der Thesenanschlag Martin Luthers 1517 zu Wittenberg hätte nicht zur Spaltung der westlichen Christenheit führen müssen, auch nicht zur Reformation. Diesen Standpunkt vertrat der evangelische Theologe Prof. Dr. Gunther Wenz bei der gemeinsamen Versammlung des Diözesanrates der Katholiken im Bistum Passau und der Synode des Evangelisch-Lutherischen Dekanatsbezirks Passau in Ortenburg. Doch auch 500 Jahre nach der konfessionellen Teilung herrscht trotz der verstärkten Annäherung von Protestanten und Katholiken Einigkeit in einem Punkt, den Domkapitular Manfred Ertl beim Abschlussgottesdienst in der Marktkirche zum Ausdruck brachte: „Ökumene braucht Zeit.“
Ein katholischer Geistlicher predigt von der Kanzel eines evangelischen Gotteshauses – noch vor wenigen Jahrzehnten undenkbar. Zeugen dieses denkwürdigen Ereignisses ausgerechnet in der Kirche, in der am 17. Oktober 1563 – sechs Jahre nach dem Bekenntnis des Grafen Joachim von Ortenburg zum evangelischen Glauben – der erste öffentliche lutherische Gottesdienst stattfand, waren die Teilnehmer an der interkonfessionellen Tagung unter dem Motto „Die Reformation führt uns zusammen“ in der evangelischen Realschule. „500 Jahre Suche nach der Wahrheit“ – so hatte Dr. Ralf Krause, Vorsitzender der evangelisch-lutherischen Dekanatssynode, eingangs die Situation in Worte zu fassen versucht.
Deutlich wurde Manfred Ertl in seinen Gedanken zur Schilderung der Hochzeit zu Kana im Johannes-Evangelium. Im Gedenkjahr der Reformation machte er darin Aussagen und Fragen aus „zu unserem Problem mit der Einheit unter uns Christen.“ Der Prediger skizzierte die Symbolik für die zerbrochene Tischgemeinschaft, den fehlenden Wein und die Unfähigkeit zum Wort, das verwandle. „Die sechs Krüge stehen also nicht nur in Kana, sie stehen direkt vor uns“, gab Ertl zu bedenken und verband damit den Aufruf, „lassen wir uns also mit dem Wasser unserer menschlichen Bemühungen füllen und hoffen auch wir auf eine Verwandlung durch Jesus.“
Jedem Krug maß der Domkapitular eine andere Bedeutung bei – unter anderem als klarer Wein, den man sich einschenken müsse, um Missverständnisse und Verletzungen ebenso anzusprechen. „Der geistliche Begleiter auf die Einheit hin ist und bleibt der Heilige Geist“, formulierte Ertl als Botschaft für ökumenisches Handeln, das bedeute, sich wo immer möglich einzulassen auf gemeinsames Tun. Es heiße nicht, theologische Drahtseilakte und liturgische Seiltänze zu veranstalten, sondern gemeinsam den Dienst der Wasserträger von Kana auf sich zu nehmen. „Der Weg zur Einheit unserer Kirchen ist ein bleibender Auftrag für uns alle“, sagte der Prediger in der Marktkirche.
Weit zurück in die Historie ging Dr. Wenz in seinem Vortrag, um die Hintergründe der Reformation aufzuzeigen. Der 31. Oktober 1517 werde zu einem Datum hochstilisiert, das den eigentlichen historischen Fakten gar nicht entspreche, betonte der frühere Ordinarius für Systematische Theologie der Evangelisch-Theologischen Fakultät der LMU München und derzeitige Leiter der Wolfhart Pannenberg-Forschungsstelle an der Hochschule für Philosophie München. Das Fazit des Professors mit Blick auf die Ökumene-Bestrebungen: „Bei theologischer Aufgeschlossenheit und einer gewissen intellektuellen Flexibilität lassen sich die gebotenen Fortschritte erreichen.“
Das Reformationsjahr sei so unverkrampft ökumenisch gelaufen, „das hätten sich viele noch vor wenigen Jahren nicht vorstellen können“, bekundete Regionalbischof Dr. Hans-Martin Weiss in seinem Resümee zum Jubiläum. Er verknüpfte damit den Wunsch, diese Unverkrampftheit weiter auszubauen. „Dann nehmen wir viel Gutes für die Zukunft mit“, gab sich der Oberkirchenrat im Kirchenkreis Regensburg überzeugt. Weiss erinnerte vor allem an viele gute Gespräche und schwärmte von der guten ökumenischen Zusammenarbeit, ließ aber auch Banales und Triviales – wie den Haribo- und Playmobil-Luther – nicht unerwähnt, tat dies jedoch als nicht so schlimm ab. 
Richtig gut getan hätten die Versöhnungsgottesdienste, berichtete der Regionalbischof und verwies auf das Geschenk an das Regensburger Domkapitel, eine Kopie der Hostiendose vom ersten dort abgehaltenen Abendmahlgottesdienst. „Solche Symbole brauchen wir“, unterstrich Weiss und merkte an, dass das Jubiläum getrost der Gnade Gottes anvertraut werden dürfe. Eine wesentliche Erkenntnis für ihn aus der Rückschau auf 500 Jahre Reformation: „Wir dürfen viel mehr riskieren und uns zumuten.“ Der Repräsentant der evangelischen Kirche bekannte ganz persönlich, noch mehr Vertrauen gewonnen zu haben, „dass wir unsere Aufgaben auf den Weg bringen können – bei allen Unterschieden, die bleiben werden.“
Viele Berührungspunkte, aber auch trennende Elemente kristallisierten sich in den Gesprächsgruppen heraus. So machte Pastoralreferentin Helene Uhrmann-Pauli aus Ortenburg auf den seit Jahren praktizierten gemeinsamen Kreuzweg in der Pfarrei aufmerksam, bei dessen Vorbereitung sich allerdings stets die heikle Frage nach dem Umgang mit den Maria betreffenden Stationen stelle. Domkapitular Manfred Ertl rief seine Dialogpredigt mit Dekan Dr. Wolfgang Bub anlässlich der 25-Jahr-Feier des ökumenischen Emmauszentrums in Bad Griesbach in Erinnerung, wobei das Sich-Duzen der beiden Geistlichen bei den Zuhörern als sehr befreiend angekommen sei.
Früchte tragen im wahrsten Sinn des Wortes wird die gemeinsame Vollversammlung in Ortenburg – dank eines symbolischen Geschenks. Die stellvertretende Diözesanratsvorsitzende Dr. Hanna Seidl (Waldkirchen)überreichte am Ende des Abschlussgottesdienstes in der evangelischen Marktkirche ein Apfelbäumchen an Dr. Wolfgang Bub als Vertreter der Gastgeber. „Der wird auf dem Gelände der Evangelischen Realschule gepflanzt“, verkündete der Dekan und würdigte diese Einrichtung mit inzwischen über der Hälfte katholischer Schüler als hervorragenden ökumenischen Lehr- und Lernort.
 
Foto: Bernhard Brunner
 


Autor: Bernhard Brunner
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