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Gespannte Erwartung
Gespannte Erwartung
Gespannte Erwartung
Kommentar. Stellen Sie sich vor, eine Fee käme vorbei und würde Ihnen mit einem süßen Augenklimpern verklickern, dass Sie einen Wunsch frei hätten. Was würden Sie sich wünschen? Bei mir immer wieder ganz oben auf der Wunschliste: Ein Instrument perfekt beherrschen. Vermutlich schätzt man häufig das am meisten, wovon man selber am weitesten entfernt ist. Musik gehört bei mir ganz klar dazu. Ich kann nur Radio und CD-Player, sonst nichts. Meine Kinder schauen mich sogar schräg an, wenn ich durch rhythmisches Klatschen meine Mannschaft in einer Turnhalle anfeuern möchte. Sie geben mir damit klar zu verstehen, dass mein Taktgefühl eher dazu geeignet ist, den Gegner zu motivieren. 
Dabei ist Musik machen etwas Wunderbares. Ich meine jetzt nicht nur die Profis, die Künstler, die Genies, die den Zuhörern Augenblicke zum Abheben bescheren, in denen sie dem Himmel ganz nah kommen. Ich rede nicht von den großen Konzerten, die einem noch nach Jahren ein Lächeln ins Gesicht zaubern, wenn man daran denkt. Nein, ich denke eher an den musikalischen Alltag. Ich empfinde es als großes Glück, dass – mit Ausnahme der Kleinsten, die noch nicht ganz soweit ist – alle unsere Kinder mindestens ein Instrument spielen bzw. das Spielen lernen. 
Ich bin überzeugt: Musik lässt uns unsere höchsten Leidenschaften und Gefühle noch intensiver erleben. Sie berührt uns tief im Inneren und macht unser Leben reicher. Und da war noch nicht einmal die Rede davon, wie sehr das Singen im Chor oder das Lernen eines Instruments die Entwicklung gerade junger Menschen fördert. Forscher haben herausgefunden, dass Musizieren die Verbindungen zwischen den Nervenzellen beider Gehirnhälften besser wachsen lässt und die Konzentration und Kommunikation fördert. Freilich muss man dafür selbst aktiv werden, zwei Ohrstöpsel und ein Verbindungskabel zum Smartphone nutzen da eher wenig.
Gerade jetzt im Advent bekommen wir auf verschiedensten Bühnen zu hören, was die jungen Schülerinnen und Schüler alles in den vergangenen Monaten gelernt haben. Klar klingt da mancher Ton schräg, verliert gelegentlich jemand den Faden oder muss einer wieder von vorn beginnen. Das liegt in der Natur der Sache. Und doch gehört jedem der jungen Musiker meine Anerkennung und meine Aufmerksamkeit. Die Mädchen und Buben nutzen ihre Talente, sie haben durchgehalten bis zu diesem Moment, sie trauen sich zu, vor vielen Menschen aufzutreten. Sie haben sich ein stilles, zugewandtes, wohlwollendes Auditorium redlich verdient. Und mit ihnen natürlich auch die Lehrerinnen und Lehrer, die sie mit Geduld, fachlichem und pädagogischem Können soweit gebracht haben. 
Ja, Musik braucht Zuhörer, braucht Menschen, die ganz bewusst in sie hineinlauschen. Ich habe mich mit dieser Rolle abgefunden und werde auch heuer nicht zur Blockflöte greifen, um vielleicht ein paar Töne von „Stille Nacht, Heilige Nacht“ wieder nicht zu treffen. Aber ich warte gespannt auf all das, was drei Teenager tuschelnd für das kleine Hauskonzert am Heiligen Abend planen. Was für eine erwartungsvolle Freude! 


Autor: Wolfgang Krinninger
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