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„Schnallt euch an, es ist es wert“
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„Schnallt euch an, es ist es wert“

Kanadische Rezepte: Pfarrer James Mallon wirbt für eine missionarische Kirche

Passau. Wenn die katholische Kirche im Westen nicht bereit sei, sich zu verändern, werde sie sterben. Daran besteht für Pfarrer James Mallon, Bischofsvikar für Neuevangelisierung im Bistum Halifax (Kanada), kein Zweifel. Doch er sieht in der Krise auch eine Chance. Seine Hoffnung setzt er auf die Veränderung hin zu einer missionarischen Kirche, in der Jüngerschaft wieder eine zentrale Rolle spielt, sowie auf „aufregende, dynamische“ Pfarreien und Gemeinschaften. „Konsumenten-Katholiken“ erteilte er bei seinem Vortrag im Spectrum Kirche in Passau eine Absage. 
Bischof Stefan Oster und Seelsorgeamtsleiter Dr. Hans Bauernfeind waren erfreut, dass über 100 Interessierte zu diesem kurzfristig angesetzten „Nachmittag mit Father James Mallon“ gekommen waren. Der Bischofsvikar aus Halifax (siehe Kasten rechts) ist zu einem der wichtigsten Protagonisten der Neuevangelisierung geworden. „Divine Renovation – Wenn Gott sein Haus saniert“ heißt sein neuestes Buch. Bischof Dr. Stefan Oster SDB und Dekan Anton Spreitzer haben das Vorwort zur deutschen Ausgabe geschrieben. Damit ist Mallon derzeit in Deutschland unterwegs. Von der „Mehr“-Konferenz in Augsburg fuhr er weiter nach Passau. 
Wie lassen sich Menschen zu einer persönlichen Beziehung zu Gott führen? Wie kann man Pfarreimitglieder von geistlichen Konsumenten hin zu reifen Christen mit der Bereitschaft zur Nachfolge führen? Das waren auch Fragen, die sich James Mallon stellte, als er als Pfarrer in Kanada zu arbeiten begann. Die Probleme sind dort ähnlich wie bei uns: Der Großteil derer, die getauft sind, kennt die Kirche nun noch von außen. Gleichzeitig werden die Pfarrer immer weniger, die Pfarreien immer größer. In Mallons Diözese schrumpfte die Zahl der Pfarreien zunächst von 80 auf 43. Im nächsten Schritt sollen davon nun 12 bis 15 übrig bleiben. Mallons Resümee aus dieser Entwicklung: „Wenn wir nicht anfangen, Dinge zu ändern, werden wir weiter verlieren und irgendwann sterben. Was übrigbleibt, können wir kompostieren.“ Und doch schöpft der Geistliche Hoffnung aus dieser Entwicklung. „Ich mag das Wort Krise, denn eine Krise führt dazu, dass Entscheidungen getroffen werden“, sagt er. Und er fügt hinzu: „Damit etwas Neues entstehen kann, muss etwas sterben, das ist das Geheimnis von Ostern.“ Und dieser Prozess von Leben und Sterben gelte auch für Institutionen wie die Kirche. 
Die bisherigen Reformanstrengungen in den Bistümern sind offensichtlich nicht nach seinem Geschmack. Hier gebe es keinen wirklichen Ruck zu Veränderungen. Die Kirche sei mehr ein Club geworden, der sich um seine Mitglieder kümmert, statt sich um die anzunehmen, die draußen stehen, bemängelte Mallon in seinen „sechs Schritten des Sterbens“. So werde sich ein langsamer Niedergang am Ende weiter beschleunigen. Dieser Realität müsse man ins Auge sehen. In Kanada sei diese Entwicklung schon viel weiter fortgeschritten, weil es dort keine Kirchensteuer gebe und viele Pfarreien deshalb bankrott seien. Auch habe das Ansehen der Katholische Kirche nach 1968 dort noch stärker gelitten als bei uns. „Ihr habt noch etwas Zeit“, meinte er mit Blick auf die Lage in Deutschland süffisant. 
Pfarrer James Mallons Hoffnung gründet sich darauf, dass die Mission zur Identität jedes Christen gehöre. Sie lebe und sei überall präsent. Man müsse nur bereit sein, die Methoden zu verändern. In seiner Pfarrei habe das mit einer Veränderung der Kultur begonnen. Die sogenannten Alpha-Kurse hätten dabei eine wichtige Rolle gespielt, um das Glaubenswissen wieder zu vertiefen. 1000 Leute hätten solche Kurse besucht, Hunderte Bekehrungen habe es gegeben. Jedes Mitglied der Pfarrei habe einen Dienst übernommen. „Wir haben begonnen geistlich zu wachsen“, so Mallon. Gastfreundlichkeit, gute Kirchenmusik und gute Predigten seien wichtige Elemente in diesem Prozess. „Wenn eine Pfarrei anfängt zu evangelisieren, beginnt die Erneuerung“, ist der Kanadier überzeugt. 
Dass auf diesem Weg nicht alle mitgehen wollen, gab der Bischofsvikar unumwunden zu. Doch er tröstete sich damit, dass es oft nicht die freundlichen, frohen Christen seien, die sich abwendeten. Zudem seien viele Mitglieder von außen hinzugekommen. Er bezifferte die Zahl auf 65 bis 70 Prozent in den vergangenen sieben Jahren in seiner Pfarrei. Und dieser Weg sei noch nicht zu Ende gegangen. „Wir brauchen geistliche Bewegungen und lebendige Pfarreien“, so Mallons Fazit. Mit Methoden, die nicht länger funktionierten, sei das gängige Pfareienmodell ein Auslaufmodell. Die Rettung liege im Beschreiten neuer Wege, auch wenn dabei nicht alle mitgingen. „Wir stehen vor einer Entscheidung“, so der Bischofsvikar. Jetzt seien vor allem gute Leiter gefragt, die es schaffen, die Menschen für eine Vision zu begeistern. Wichtig sei es, die Innovativen zu überzeugen, die neugierig seien und Risiken eingingen, um etwas Neues zu lernen. Gelinge dieser Schritt, werde man mit der Zeit auch die Mehrheit überzeugen, so Mallons Einschätzung auf Basis einer Innovationskurve aus der Marketingforschung des Kommunikationswissenschaftlers Everett Rogers. 
Pfarrer James Mallon ist überzeugt: „In den nächsten 20 Jahren werden die einzigen Kirchen, die noch existieren, missionarische Kirchen sein.“ Dass es auf diesem Weg heftigen Gegenwind geben werde, daran ließ er keinen Zweifel. „Wenn ihr das wollt, schnallt euch an, aber es ist es wert“, wandte er sich direkt an Bischof und Generalvikar. Was ist Eure Entscheidung?“, lautete Mallons letzte Frage beim Vortrag.
„Es ist schön zu sehen, dass Erneuerung von Gemeinden gelingen kann“, erklärte Bischof Dr. Stefan Oster nach dem Vortrag. „Das inspiriert mich und ermutigt mich zu fragen: Was können wir daraus lernen?“.
 
Foto: Krinninger
 


Autor: Wolfgang Krinninger
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