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Manager im Auftrag des Herrn
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Die fesselnde Autobiografie von Prälat Helmuth Schuler

Mein Vater soll entsetzt gewesen sein, als er mich zum ersten Mal sah. Meine Geburt, am 18. Oktober 1938, dauerte so lange, dass mein Kopf deformiert rauskam, als ein ,Starhäuslkopf‘. Das hat sich allerdings bald normalisiert. Verständlich, dass die Bereitschaft meiner Eltern zu weiteren Kindern nicht sehr groß war, zumal ein Jahr nach meiner Geburt der Krieg begann.“ 
Mit diesen Sätzen beginnt „Jesus Manager“, die außergewöhnliche, fesselnde und hochinteressante Autobiografie von Prälat Helmuth Schuler. So vieles kommt darin vor: Liebe, Lebensfreude, Menschlichkeit, Humor und Altersweisheit genau so wie Enttäuschung, Zorn, Einsamkeit und Sehnsucht. Sachlich im Ton, selbstkritisch und mit großer sprachlicher Gewandtheit zeichnet Helmuth Schuler die Stationen seines Lebens und seine Erfahrung mit der Kirche nach: Seine Kindheit im Krieg, die unerwartete Berufung zum Priester, die Anfänge als Kaplan in Passau-Hacklberg, Seelsorger in der Jugendstrafanstalt Niederschönenfeld, Oberstudienrat am Gymnasium Landau an der Isar, Stadtpfarrer in Zwiesel und Mitarbeit in der Pfarreiengemeinschaft Niederaichbach, Oberaichbach, Wörth/Isar.
Im Laufe der Lektüre offenbart sich der Charakter des Autors im Wandel der Zeit: vom jungen, aufmüpfigen, fast „revolutionären“ Kaplan/Pfarrer/Oberstudienrat, dessen Bestreben der ständigen Erneuerung, Verbesserung und praktischen Umsetzung der christlichen Werte gilt, auch wenn er dabei teilweise an seine Grenzen stößt, bis hin zu einer gewissen Abgeklärtheit und Demut. Immer aber scheint durch, wie erfüllend es für Helmuth Schuler ist und war, für Menschen da zu sein, sie zu begleiten und sie für Jesus zu begeistern. Dabei bleibt die Grundfrage: Wie muss Kirche sein, damit sie glaubwürdig ist?
Das auch optisch und haptisch schön gemachte Buch ist zugleich eine Hommage an viele Wegbegleiter des Geistlichen und ganz besonders an Bischof Antonius Hofmann, der bei Schulers Weihe noch als Regens wirkte. Der Autor beschreibt durchaus auch die grantelnden Seiten von Bischof Antonius, aber die Hochachtung über die menschliche Herzlichkeit, die Offenheit, die theologische Tiefe und das Rückgrat dieses Oberhirten überwiegt bei Weitem. 
Am Ende des 240 Seiten starken Buches kommen Zeitzeugen aus den verschiedenen Lebensepochen und Wirkungsstätten Helmuth Schulers zu Wort. Dabei wird noch einmal deutlich: Ob als Lehrer, Gefängnisseelsorger oder Stadtpfarrer und begnadeter Prediger, dieser Geistliche war immer auch ein streitbarer Zeitgenosse, der keine Auseinandersetzung scheute. Und Schuler war einer, der Zeit seines Lebens an die Ränder ging – lange bevor Papst Franziskus diesen Begriff prägte. „Durch seine persönliche Betreuung half er mir und den anderen Häftlingen, Schuld und Sühne zu verstehen, eigene Schwächen zu erkennen, um dagegen anzukämpfen und möglichst auszugleichen, positiv zu denken und die Hoffnung in unsere Zukunft nicht zu verlieren“, schreibt ein ehemaliger Häftling der JVA. Oder eine ehemalige Schülerin seines Religion-Leistungskurses: „Er hat mich viele gemeinsame Weißwurstfrühstücke lang durch die harte Zeit meiner Scheidung begleitet. In den wichtigen Momenten meines Lebens war er immer da und dafür sage ich ganz herzlichen Dank.“ 
Und schließlich gelang es Helmuth Schuler, der heute wieder in seinem Elternhaus in Niederaichbach/Landkreis Landshut lebt, sogar mit seinem Vater, zu dem er ein spannungsgeladenes Verhältnis hatte, Frieden zu schließen. Am Krankenbett nehmen sie Abschied voneinander und der Vater bittet den Sohn das erste Mal, ihn zu segnen. „Das war das letzte Gespräch mit meinem Vater. Es war das wertvollste, das wir je geführt haben. sein großes Geschenk an mich! So werde ich ihn in Erinnerung behalten.... Nun kann er sterben, nun kann ich ihn sterben lassen. Ich kann ihn loslassen mit großer Dankbarkeit. Ohne Bitterkeit kann ich alles, was er für mich getan hat, in meinem Herzen bewegen.“
 
 
Helmuth Schuler: Jesus Manager. August Dreesbach Verlag. Hardcover, 240 Seiten, 15 × 21 cm, 28 Euro. ISBN 978-3-944334-91-2
 
Foto: Krinninger
 


Autor: kri
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