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Boten der Lebensfreude
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Kommentar. Tilla Hartwig hat es eilig. Ihr Erste-Hilfe-Kurs bei den Maltesern in Hacklberg beginnt um 8.15 Uhr. Und dann das: Eine lange Autoschlange in Grubweg. Ob ich das noch schaffe?, fragt sie sich nervös und schickt ein Stoßgebet zum Himmel. In Hacklberg dreht sie Runde um Runde. Nirgends ein Parkplatz. Schließlich fragt sie zwei ältere Damen an einer Bushaltestelle um Rat. „Wissen Sie, wo ich hier einen ganzen Tag parken kann?“ Die beiden schütteln den Kopf. Gerade als sie das Autofenster wieder schließen will, sagt eine der Damen: „Sie können bei mir parken“. Und damit nicht genug: Die Dame bietet ihr sogar die eigene Garage an, um den Wagen dort abzustellen. „Punkt 8.15 Uhr betrete ich den Unterrichtsraum. Unglaublich, ich hab‘s geschafft – mit Gottes Hilfe“, schreibt Frau Hartwig in der E-Mail, in der sie uns die Geschichte schildert. „Es gibt so viele wunderbare Menschen und heute habe ich wieder einen kennengelernt. Gott sei Dank“, endet ihre schöne Geschichte.
Das tut gut. Auch deshalb, weil wir alle überflutet werden von ganz anderen Nachrichten. In unserem schönen, reichen Land ist Krise zum Lieblingswort geworden. Diffuse Ängste breiten sich aus. Digitale Postfächer quellen über mit Hasskommentaren. Man könnte angesichts dessen glatt vergessen, wie lebenswert die paar Jahre auf Erden sein können. Gerade in Zeiten wie diesen sind Menschen wichtig, die sich nicht in die Abwärtsspirale ziehen lassen. Die stattdessen Funken sprühen, Freude verbreiten, andere an der Hand nehmen. Charmante Charismatiker, tanzende Träumer, lebensfrohe Lichtgestalten. Ganz normale Leute. Wie Horst, der Chef eines Lebensmittelgeschäfts im Nachbarort. Er tut das, was einem heute fast schon verdächtig vorkommt: Er strahlt Frohsinn aus. Es gibt keinen Kunden, den er nicht mit einem fröhlichen Servus begrüßen, mit dem er nicht ein paar Sätze wechseln würde, egal wieviele Menschen an der Kasse anstehen. Horst findet in seinem Lager bestimmt die passende Schachtel, um die Einkäufe unterzubringen. Er kennt den neuesten Tratsch und hat immer einen guten Spruch auf den Lippen. 
Und Horst ist überall. Es gibt ihn im Krankenhaus genauso wie bei der Müllabfuhr, er arbeitet in der Buchhandlung oder steuert den Omnibus. Er backt unser Brot, unterrichtet Kinder oder repariert die Waschmaschine. Zeit-Kolumnistin Ulrike Gastmann hat es kürzlich auf den Punkt gebracht: Man sollte solchen Menschen viel öfter auf die Schulter klopfen und sagen: „Ihr seid bewundernswert! Alle! Ein Leben ohne all das, was ihr täglich macht, wäre nicht das, was wir uns wünschen.“
Die machen doch alle nur ihren Job, mag mancher einwenden. Ulrike Gastmann widerspricht vehement: „Die machen unser Leben.“
Der legendäre polnische Reporter und Weltbürger Ryszard Kapuscinski hat die ganze Welt bereist. Was hat er als das vorteilhafteste, beste, positivste Merkmal des Menschen erfahren? „Die Freundlichkeit. Die Freundlichkeit gegenüber dem Anderen, eine Freundlichkeit, die das Böse vertreibt und ein Klima schafft, das alles ermöglicht, was uns gut und wichtig erscheint.“
 


Autor: Wolfgang Krinninger
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