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Gestärkt aufbrechen
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Rund 200 Gläubige beim zweiten Studientag zur Neuevangelisierung

Passau. Alle Erwartungen übertroffen hat auch der zweite Studientag zur Neuevangelisierung im Bistum Passau. Rund 200 Gläubige waren unter dem Motto „gestärkt aufbrechen“ ins Haus Spectrum Kirche gekommen. Sie nutzten die Gelegenheit, um ihr Christseins zu hinterfragen und neue Impulse für ihren Glauben zu bekommen. In Workshops wurden gelungene Erfahrungen aus dem kirchlichen Leben geteilt.  
Ein Tag der Stärkung und der Ermutigung, des Gebets und des Nachdenkens sollte es sein, wie Bischof Dr. Stefan Oster und Seelsorgeamtsleiter Dr. Hans Bauernfeind gleich bei der Begrüßung betonten. Und für den Großteil der Besucher war er das wohl auch, wie man den Reaktionen im Lauf des Tages entnehmen konnte. 
Herr Bischof, haben wir bisher alles falsch gemacht? Von dieser Ausgangsfrage her machte der Passauer Oberhirte deutlich, was er unter Neuevangelisierung versteht: „Alles beginnt mit der Sehnsucht, mit unserer Rückkehr zu Jesus und dem Leben mit ihm. Wenn die Freundschaft und die Liebe zu ihm wachsen, dann ändert sich alles.“ 
Dass dies auch eine Herausforderung darstellt, daran ließ Bischof Stefan Oster keinen Zweifel. In unserer durchschnittlichen kirchlichen Praxis sei kaum jemand herausgefordert, wirklich eine persönliche Entscheidung für Christus zu treffen. Viele scheuten diese Entscheidung, weil sie durch dieses Anders-sein weniger kompatibel mit der Gesellschaft werden würden. Er habe den Eindruck, dass sich die Kirche immer mehr von der Welt assimilieren lasse, nicht umgekehrt die Welt von der Kirche. „Die Kirche verliert die Kraft, mit dem Evangelium die Welt zu verändern“, sagte Oster.
Der Glaube sei aber auch eine Tugend, eine innere Haltung, die eingeübt und gepflegt werden müsse, damit sie wachsen könne. Im Kern gehe es darum, immer tiefer zu lernen, immer tiefer zu vertrauen – und Jesus den Herrn des eigenen Lebens sein zu lassen. „Wenn Gott die Mitte ist, kommt alles andere in die rechte Ordnung.“ Dabei halte sich der wirklich Glaubende nicht für etwas Besseres, im Gegenteil, er werde zum Diener aller. 
Kaum in den Mund nehmen wollte der Bischof den Begriff Spiritualität. Durch inflationären Gebrauch – häufig in einem esoterischen Kontext – habe sich dieses Wort abgenutzt.  Doch „Spiritualität ist nichts, was man sich im Supermarkt aussucht, ist nicht seelische Autoerotik“, sagte der Bischof. Es gehe immer darum, zu lernen, dem Geist Gottes gehorsam zu sein, dem Herrn näher zu kommen. „Christliche Spiritualität ist: lernen die Geige zu werden, die nicht sich selbst, sondern den Geiger preist und ihm dienen möchte“, fasste der Bischof in einem Vergleich zusammen und ergänzte nach einem Zitat von Ignatius von Loyola: Alle Menschen würden staunen, wenn sie sich Gott einfach überlassen würden. Die Liebe zum Herrn mache wahrhaft frei und sei ein Weg in die Freude. Wenn Christen aufhörten, in Jesus den Heiland zu sehen, würden sie bestenfalls noch Wellness und Moral verkünden. Doch „Jesus ist ein Retter, der gekommen ist, um uns wieder mit dem Vater zu versöhnen.“ Damit verbunden sei eine Freude, „die nicht totzukriegen ist, egal wie es uns gerade geht“. 
Wie Christ sein heute aussehen kann, das machte Domkapitular Josef Fischer in seinem Vortrag deutlich. Dazugehören, hören und sehen, lieben, sich sehnen, vom Herzen zum Herzen sprechen nannte er als Grundhaltungen und Beweggründe. Und auch bei ihm wurde schnell der Zusammenhang zur Evangelisierung deutlich. Denn Kirche sei eben keine Sache von Leuten, die unter sich sein und bleiben wollen, keine selbstgefällige kleine Herde. Kirche sei vielmehr ein von Jesus gestifteter Freundeskreis, der offen für alle sei. „Wer an Jesus Christus glaubt, findet Menschen, mit denen er gerne lebt“, so Josef Fischer.
Eindrucksvoll sprach er sich gegen eine Unkultur des Wegschauens aus. Wer den Reichtum des Lebens erfahren möchte, müsse menschliche Nähe ermöglichen, das Bedürfen, das Leid der Menschen sehen und fühlen, den Weg des Liebens lernen. Dabei sei die Sehnsucht eine Grundhaltung des Christen. „Sagen zu können, dass Gott sich nach uns sehnt, dass er deshalb Mensch wird, das ist das österliche Geheimnis, das wir in jeder Messe feiern“, so Fischer. Im Gebet nehme die Sehnsucht Gestalt an. „Das Gebet am Morgen ist der Schlüssel, das Gebet am Abend ist das Schloss.“ Ohne Sehnsucht werde alles mühsam und anstrengend. Ohne Sehnsucht werde Kirche zur lieblosen Verrichtung. Sie sei der Beweggrund schlechthin. Was bewegt mich im Grunde meines Herzens? Diese Frage zum Nachdenken gab er den Zuhörern mit auf den Weg. 
An den Wortmeldungen wurde deutlich, dass die beiden Referenten offensichtlich den richtigen Ton getroffen hatten. Ein junger Mann rief dazu auf, sich mehr zuzutrauen: „Wo man von Herz zu Herz spricht, wo es konkret um einen anderen geht, da schenkt uns Gott alles dazu.“ Der Burghauser Pfarrer Erwin Jaindl betonte den großen Wert der Freiheit: „Wenn wir die innere Freiheit haben, weil wir ein liebendes Herz haben, schwingt die Freude automatisch mit.“ Eine Frau, die sich in der Firmvorbereitung engagiert, machte deutlich, dass ihr in der Kirche oft das Feuer der Freude fehle. Deshalb sei die Kirche so wenig ansteckend. 
Wie Evangelisierung konkret aussehen kann, wie man Freude am Glauben wecken kann, das konnten die 200 Gäste am Nachmittag bei rund 15 Workshops mit Praxisbeispielen aus dem Bistum vom Glaubenskurs über die Exerzitien im Alltag bis zum Taizé-Gebet erfahren. 
Den Abschluss bildete schließlich ein Gottesdienst in der Kapelle von Spectrum Kirche. Bischof Stefan Oster brachte dabei ein zentrales Anliegen dieses Tages auf eine einfache Formel: „Evangelisierung ist, wenn ein Bettler dem anderen Bettler sagt, wo es das gute Brot gibt.“ Bei Jesus Christus sei „das gute Brot, die Nahrung für das Leben“. 
Was den Teilnehmerinnen und Teilnehmern des Studientags besonders am Herzen lag, was ihre Sehnsucht am besten ausdrückte, was sie erbitten und was für sie von diesem Tag als Essenz übrigblieb, das hatten sie  auf kleine, von Hildegard Weileder-Wurm gestaltete Postkarten geschrieben. Diese Karten wurden im Gottesdienst eingesammelt und bei der Gabenbereitung auf dem Altar abgelegt und so vor Gott gebracht. Ein weiterer Höhepunkt an einem intensiven Tag, nach dem sich wohl die meisten tatsächlich gestärkt auf den Heimweg in ihre Städte, Märkte und Dörfer machten.
 
INFO: Die Videos von den Vorträgen des Studientags werden auch auf die Homepage neuevangelisierung-passau.de geladen und können dort in voller Länge angesehen werden. Diese Plattform soll auch zur Vernetzung der Angebote im Bistum dienen.   
 
Foto: Krinninger
 


Autor: Wolfgang Krinninger
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