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„Du, Gott, bist mein Leben!“
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Sieben Erwachsene bereiten sich auf die Taufe vor – Bewegende Glaubenszeugnisse

Passau. Manche sprechen von einer tiefen Sehnsucht, die plötzlich aufbrach, andere von einem intensiven Ruf, wieder andere von einer Lücke, die danach drängt, gefüllt zu werden – es gibt viele Umschreibungen für dieses ganz besondere Gefühl, das auch die sieben Männer und Frauen, die am Sonntag im Dom zur Zulassungsfeier für Taufbewerber zusammengekommen sind, bewegt. Starke Bilder, und doch bleiben all diese Beschreibungen nur Hilfskonstruktionen; denn das, worum es geht, ist zu groß, um es in menschliche Worte zu kleiden – nur unzureichend kann die Sprache wiedergeben, wie das ist, wenn Gott sich im Leben eines Menschen bemerkbar macht.
Ist das Gefühl, dass es da etwas gibt, das jenseits des bisherigen Alltags liegt, aber erst einmal da, beginnt es, immer mehr Raum einzunehmen. Und bei dem einen oder anderen entsteht der Wunsch, mehr über Kirche und Glauben zu erfahren, und schließlich auch selbst dazugehören zu wollen. Genau das ist den sieben Taufbewerbern, die Bischof Oster um die Zulassung zur Erwachsenentaufe baten, passiert. 
Nach einer Zeit des Hineinwachsens und des Sich-Prüfens wollen sie nun den letzten großen Schritt gehen und in der Osternacht die Taufe empfangen. Das wird nicht im Dom passieren, sondern in den jeweiligen Heimatpfarreien der Bewerber: Bad Griesbach, Hart an der Alz, Hauzenberg, Johanniskirchen, Malching und Pocking. Die Männer und Frauen werden – im Unterschied zu minderjährigen Täuflingen – dann nicht nur getauft, sondern ihnen werden von den Ortsgeistlichen zugleich auch die Kommunion und die Firmung gespendet, sodass sie von Anfang an ganz an der kirchlichen Gemeinschaft teilhaben können. 
Gründe dafür, warum sich die Männer und Frauen erst später in ihrem Leben für diesen Weg entschieden haben, gibt es viele. Bei einige ließ die politische Situation eine Taufe nicht zu, bei anderen waren die Familien dagegen. Drei der Bewerber konvertieren auch von einer anderen Glaubensrichtung zum christlichen Glauben. Doch so unterschiedlich die Biographien der einzelnen Bewerber auch sind, ist ihnen doch eines gemeinsam: Sie alle haben irgendwann erleben dürfen, dass die christliche Gemeinschaft etwas Wertvolles ist, dass es schön ist, dazuzugehören. Sie haben Menschen kennengelernt, die ihnen Vorbild waren, Menschen, deren lebendiges Zeugnis auch sie begeistert hat. 
Genau so ging es beispielsweise Krisztian Zsoka. Seine Partnerin Adrienn ist tief im Glauben verwurzelt, er ist für sie ein ganz entscheidender Teil ihres Lebens. Indem Krisztian spürte, wie wichtig Gott und Kirche für Adrienn sind, begann auch er, sich hingezogen zu fühlen. Entsprechend wird er an Ostern nicht nur selbst die Taufe empfangen, sondern auch der kleine Sohn Aaron – ein ganz besonderes Erlebnis für die ganze Familie, zu dem auch Gäste aus der ungarischen Heimat anreisen werden. 
Goran Duka fühlte sich Gott schon immer nahe, den letzten Schritt hat er aber immer wieder hinausgeschoben. „Dabei habe ich meiner Frau bei der Hochzeit versprochen, dass ich mich taufen lasse“, erinnert er sich. „Ich wollte es auch, aber es kam immer wieder anders.“ Auf die Frage, wie lang das Versprechen zurückliegt, überlegt er: „18 Jahr – schon lang, oder?“ Doch bisher war es einfach nicht der richtige Zeitpunkt. „Jetzt spüre ich, dass das passt“, meint er, „weil ich nicht nur Gott kennengelernt habe, sondern auch Jesus und weil ich nun so weit bin, mich ganz auf die Taufe einlassen zu können.“
Es ist genau dieses Sich-ganz-Einlassen, das Bischof Oster in den Mittelpunkt seiner Predigt rückte: „Die große Frage unserer Zeit ist die nach unserer Identität“, begann er. „Wer bin ich? Wer sind wir?“ Viele Gruppierungen, „von denen wir vor ein paar Jahren noch gedacht hätten, dass es so etwas gar nicht geben könnte“, definieren sich über Abgrenzung: „Wenn ich sage, was ich nicht sein will, weiß ich, wer ich bin.“ Das sei jedoch der falsche Weg. Natürlicher – schon die kindliche Entwicklung zeige das – sei es, Identität über Zugehörigkeit zu begreifen: Zu wissen, zu wem man gehört, helfe, zu verstehen, wer man ist. „Im Evangelium von der Berufung der Jünger machen die Fischer, die Jesus zu sich ruft, aber eine Erfahrung, die über das hinausgeht“, zeigte der Bischof auf. Sie, die wissen, wer sie sind, nämlich hart arbeitende Seemänner, und wissen, zu wem sie gehören, sie, die Familien haben und Freunde, lassen alles zurück, legen ihre bisherige Identität ab, um Jesus zu folgen und Menschenfischer zu werden. Von dieser Warte aus versuchte der Bischof zu beantworten, was Glaube ist: eine Brille, durch die man die Welt neu sieht, anders; ein System, das Zugehörigkeiten neu ordnet und Identität neu stiftet. Dass sie all das in der kommenden Zeit erleben dürfen, das wünschte der Bischof den Taufbewerbern und lud sie gemeinsam mit den sie begleitenden Geistlichen und mit ihren Familien noch zu einem kleinen Empfang in den Luragosaal ein.
 
Foto: Barbara Osdarty


Autor: Barbara Osdarty
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