
Nach dem knapp einwöchigen Ad-limina-Besuch der deutschen Bischöfe in Rom zieht der Passauer Bischof Stefan Oster SDB Bilanz und erläutert, wie es aus seiner Sicht für den Synodalen Weg weiter gehen wird.
Herr Bischof Oster, wie haben Sie die Gemeinschaft der deutschen Bischöfe beim Papst erlebt?
Bischof Stefan Oster: Wir waren ja in den letzten Tagen als Bischofskonferenz viel zusammen – auch beim Essen und in den Pausen zwischen den Konferenzen. Das, glaube ich, hat uns allen gut getan. Trotz aller Unterschiede habe ich ein gutes, offenes brüderliches Miteinander erlebt, auch mit persönlichem Austausch und viel Lachen. Beim Papst selbst war es eine sehr ausführliche, tiefe Begegnung. Der Papst hat uns dabei alle eingeladen, freimütig aus dem Herzen zu sprechen – und er hat es ebenso getan. Da ging es auch kontrovers zu, aber – wie ich meine – in einem guten Miteinander. Der Papst selbst hat mich wieder einmal sehr beeindruckt, wie er trotz des fortgeschrittenen Alters und trotz der Kniebeschwerden, ungeheuer präsent ist und geistlich tief, zugleich sehr offen, aber auch sehr klug im Umgang mit den Fragen. Mich berührt seine Art, die Kirche zu leiten, immer wieder neu.
Welche Schlussfolgerungen ziehen Sie aus den Gesprächen in Rom?
Bischof Stefan Oster: Die Begegnung am Freitag mit den Vorstehern der Dikasterien war vielleicht sogar ein historischer Moment. Ich weiß nicht, ob es so etwas vorher schon einmal gegeben hat. Mit dem Kardinalstaatssekretär Pietro Parolin als Moderator: Wir haben in einer sehr großen Offenheit zum Teil sehr kontroverse Positionen ausgetauscht. Dabei ist deutlich geworden, dass die Römer vieles an der Kirche in Deutschland schätzen, insbesondere die Intensität und Tiefe, mit der wir uns – trotz aller Anfragen – um die Aufarbeitung des sexuellen Missbrauchs bemühen; aber auch das große Engagement für die Weltkirche – insbesondere durch unsere Hilfswerke. Es wurde aber auch sehr deutlich, dass der deutsche Synodale Weg auf große Skepsis stößt, inhaltlich und methodisch und bei dem, was schon beschlossen wurde. Das ging sogar so weit, dass ausdrücklich ein „Moratorium“ vorgeschlagen wurde, um die Gläubigen nicht weiter zu verwirren, wie es hieß. Das Moratorium wird nicht kommen, dazu gab es zu viel Widerspruch von der Seite der Bischöfe. Aber natürlich müssen wir die Sichtweisen Roms nun auch im Blick auf die letzte Synodalversammlung im März aufnehmen und einbringen. Mich hat bewegt, dass es im Grunde bei den zentralen inhaltlichen Themen, die als Reformvorschläge gedacht sind, also gerade im Blick auf das ganze Feld der Sexualität, aber auch zu den Fragen nach der Zulassung zu den Weiheämtern, an keiner Stelle ein Entgegenkommen aus Rom gab. Außerdem hat uns Papst Franziskus noch einmal ermahnt, seinen Brief, den er uns persönlich im Jahr 2019 – zu Beginn des Synodalen Weges geschrieben hat – wirklich auch ernst zu nehmen. Bei alledem wurde aber auch deutlich: Das Gespräch geht weiter.
Was ergibt sich aus Ihrer Sicht aus den Gesprächen für den weiteren Verlauf des Synodalen Wegs in Deutschland und weltweit?
Bischof Stefan Oster: Zunächst werden wir beim Ständigen Rat der 27 Diözesanbischöfe, der gleich an diesem Montag und Dienstag in Würzburg (Anm.: 21. – 22. November; ein Bericht folgt) tagt, die Dinge gut nachbesprechen. Dann werden wir aus meiner Sicht nicht einfach so weitermachen können wie bisher. Das Gespräch in Rom wird in unseren Synodalen Weg einfließen müssen – andernfalls ist eine große Enttäuschung vorprogrammiert. Die ist ja bei vielen jetzt schon da, nachdem die Erwartungen durch den Synodalen Weg mit seinen großen Versammlungen und der intensiven Textarbeit doch sehr hoch geworden waren. Zudem: Es soll ja bald auch noch ein offizielles Schreiben aus Rom nach unserem Ad-limina-Besuch kommen. Wie werden wir uns dazu verhalten? Sicher ist: Wenn unser deutscher Synodaler Weg dann offiziell im März 2023 zu Ende gehen wird, werden alle seine Ergebnisse in den weltweiten Synodalen Prozess einfließen, den Papst Franziskus initiiert hat. Der geht ja weiter, und wird dann im Herbst 2024 mit der dann zweiten Bischofssynode zu Ergebnissen kommen. Aber ganz ehrlich: Leichter wird es nach diesem Besuch in Rom nicht. Was machen wir zum Beispiel mit Beschlüssen des Synodalen Weges, die jetzt schon in die Umsetzung gebracht werden sollen, die aber in Rom nicht gutgeheißen werden?

Michael Glaß
Redakteur